Unvergessliche Stunden in Paraguay
20 03 2011Von Puerto Iguazu sind wir mit dem Bus via Brasilien nach Ciudad del Este in Paraguay gefahren. Vor dem Besuch dieser Stadt wird grundsätzlich in jedem Reiseführer gewarnt, da es ein gefährlicher und unsicherer Ort sein soll. Wir trafen uns hier aber mit Stephan (ex-Arbeitskollege von Jan), seiner Lebenspartnerin Fabienne und Francis, die für uns einen intensiven Tag in und um Ciudad del Este organisiert haben. Der Vater von Francis und Fabienne wanderte nach seiner Pensionierung nach Paraguay aus und besitzt eine wunderschöne Villa im Country Club von Ciudad del Este. Francis lebt seit 7 Jahren hier und betreut den betagten Vater.
Zuerst besuchten wir einen weiteren Auslandschweizer, der im 12. Stock wohnt und uns seinen Balkon als Aussichtsplattform zur Verfügung stellte. Der Balkon war aber nicht nur Aussichtspunkt, sondern auch der Ort, wo wir unser erstes paraguayanisches Bier tranken. Es war erst 9.15 Uhr…Francis hat uns ein paar Anekdoten aus dem Leben im 2. korruptesten Land der Welt erzählt. So gibt es zum Beispiel keine Autoprüfung und keine Auslieferungen von geflüchteten Straftätern. Wir merkten schnell, dass mit Geld und Geschenken hier vieles leichter fällt.
Danach gings im silbrigen Mercedes C-Klasse mit CH-Aufkleber in den Country Club. Dies ist ein hermetisch abgeriegeltes Villenviertel mit eigenen Geschäften und Golfplatz. Es ist eine völlig andere Welt, die mit dem Leben draussen auf den Strassen nichts gemein hat. Wir hatten aber das Glück, mit Francis einen absoluten Kenner der Aussenwelt als Gastgeber zu haben (mehr davon weiter unten). Jan hat als erstes im Pool einen erfrischenden Schwumm genommen. Als nächstes wurde auf unsere Ankunft mit einem Vodka-Orange angestossen.
Am Mittag fuhren wir in eine Churrasceria, ein Steakhouse ausserhalb der Stadt. Hier gabs Salate und Beilagen à discretion und die Kellner brachten dauernd frisches Fleisch am Spiess direkt an den Tisch. Das Fleisch war von ausserordentlich guter Qualität! Natürlich durfte ein Bierchen nicht fehlen… Nachdem wir uns die Bäuche vollgeschlagen hatten, gings ein Haus weiter. Wir besuchten Sandra, eine Brasilianerin, die neben der neu eröffneten Adidas-Fabrik ein kleines Beizli führt, wo Francis Stammgast ist. Was denkt ihr, was es zum Trinken gab? Richtig, cerveza!
Nächster Programmpunkt war die Autogarage von Francisco, einem weiteren Kollegen von Francis. Wer sich nun eine saubere, moderne Garage wie bei uns vorstellt, der liegt falsch. Auf den nachfolgenden Fotos könnt ihr euch selber ein Bild einer paraguayanischen Garage machen. In einem Hinterhof standen rostige Autowracks herum, die Wand war voll gepflastert mit erotischen Postern und zwischen Hühnern, Hunden und Kindern gabs auch noch ein paar Autoersatzteile. Was es hier nicht gab war Bier!
Francisco besitzt ebenfalls eine Farm. Diese stellte er uns als Schiessplatz zur Verfügung. Francis brachte in einem kleinen Sportrucksack 6 unterschiedliche Revolver und Pistolen seines beachtlichen Waffenarsenals mit. Bevor wir aber losballern konnten, mussten wir noch Munition kaufen. Diese, wie auch Waffen, gibts hier problemlos zu kaufen. Als wir im Laden waren, hat ein Einheimischer gerade 2 Gewehre gekauft, sie in einen Sack verpackt, aufs Motorrad gebunden und ist davon gebraust. So einfach geht das hier!
Auf der Farm wimmelte es von Federvieh jeglicher Art und es waren ebenfalls 3 Arbeiter zugegen. Wir stellten als Ziele Aludosen auf und nach den ersten paar Schüssen wussten auch die Hühner und Enten, dass sie sich nun verziehen sollten. Leider lag die Motorsäge noch in der Schusslinie und Jan hat mit der riesigen Schrotknarre das Ding nur knapp verfehlt. Nun wurde sie für den Rest der Schiessübung sicherheitshalber weg getragen.
Am Abend war ein Volleyball-und Grillplausch auf der Polizeiwache von Don Bosco angesagt. Comissario Flores hat uns stolz seine Wache gezeigt und war hocherfreut über den Besuch seiner Polizeikollegin aus der Schweiz. Sogar sein Schlafgemach durften wir besichtigen, auch hier hing wieder ein Poster einer nackten Schönheit.
Francisco der Garagier, brachte Unmengen von Fleisch und machte sich ans Grillieren, während Comissario Flores im Sporttenü mit seinen Mitarbeitern und Jan Volleyball spielte. Nach einem Match wollte Jan eigentlich zur gemütlichen Bierrunde wechseln, doch Comissario Flores wollte unbedingt mit Jan gemeinsam einen weiteren Match spielen. Da gabs keine Widerrede. Wir hatten dann sogar gewonnen und dies begoss der Comissario mit ein paar Bierchen.
Als das Fleisch langsam aber sicher gar war, nahm Tito die Gitarre hervor und sang wunderschöne, südamerikanische Lieder. Seit längerem hatten wir Comissario Flores nicht mehr gesehen, hatten gedacht, er würde sich wohl umziehen um dann mit uns zu essen. Plötzlich trat er aber aus der Wache, bekleidet in Uniform, schusssicherer Weste und Revolver am Gurt. Er machte ein ernstes Gesicht als er uns verkünden musste, dass unweit von hier soeben ein Polizist erschossen worden sei. Die Stimmung war natürlich sofort getrübt, Tito hörte auf Gitarre zu spielen und wir beschlossen, das Fleisch bei Francisco in der Autogarage zu essen. Zwischen Autowracks sassen wir also nun gemütlich beisammen, assen das doch schon etwas zähe Fleisch, Maniok und Sopa, ein paraguayanischer Kuchen aus Maismehl. Tito hatte mittlerweile Verstärkung erhalten und zu zweit sorgten sie für die musikalische Unterhaltung an diesem Abend.
Gegen Mitternacht waren wir wieder im sicheren Country Club. Wir kühlten uns im beleuchteten Pool ab, bevor wir zum Schlummertrunk übergingen. Dabei hatte uns Francis den Blog eines ausgewanderten Schweizer Ehepaars gezeigt. Die Probleme, die ausgewanderte, pensionierte Schweizer im Country Club haben, waren echte Schenkelklopfer. Überzeugt euch selber unter http://egliblog.blogspot.com
Nochmals ganz herzlichen Dank an Fabienne, Francis und Stephan für diese unvergesslichen Stunden in Paraguay!

Hoch über Ciduad del Este stossen wir auf unseren Adventure-Tag in Paraguay an. Gisela, Stephan, Francis und Fabienne (v.l.n.r)

Eine Autogarage in Paraguay gleicht nicht ganz jenen in der Schweiz...

Commandante Bärtschi übt sich im Umgang mit der Riesenknarre

Aus dem gesamten Waffenarsenal stach die Riesenknarre hervor. Gisela war froh, diese nach einem Schuss wieder weg legen zu können.

Gisela posiert mit ihrem Amtskollegen Comissario Flores in der Polizeiwache von Don Bosco

Comissario Flores hat die Uniform mit dem Sporttenü getauscht und ist voller Elan beim Volleyball spielen

Die beiden Gitarreros sangen wunderschöne Lieder für uns